Der Waldfriedhof Dahlem

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Volltext

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Der Waldfriedhof Dahlem

- Eine Dokumentation der Führung des Heimatforschers Wolfgang Holtz

- zum Tag des Friedhofs am 10. September 2006 –

Herausgeber:

Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf

Abt. Bauen, Stadtplanung und Naturschutz Naturschutz- und Grünflächenamt

-Friedhofsverwaltung-14169 Berlin

Zusammengestellt von:

Dipl. Ing. (FH) Ellen Juhnke, NG 260

Tel.: 90 299 74 10 Fax.: 90 299 75 91

September 2006 Auflage 50 Exemplare

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Gartendenkmal und Baudenkmal (Kapelle) seit 1997

Da der 1908 unmittelbar an den Dorfkirchhof Dahlem angefügte kommunale Friedhof Dahlem Dorf über keine Erweiterungsmöglichkeit meht verfügte, legte man 1931-33 am Hüttenweg 47 den Waldfriedhof Dahlem an.

Der Entwurf war schon 1929 von dem früheren Stadtgartendirektor Al-bert Brodersen gefertigt worden, der aber seine Ausführung nicht mehr erlebte. Die

Bezeich-nung Waldfriedhof

besteht nicht zu Recht (sollte hier wohl nur

Friedhof am Walde

bedeuten).

Gewiß hat man die Begräbnisstätte in einen

Kiefernforst

hinein-gebaut; überall inmitten

der Grabfelder und

zwischen ihnen stehen dessen Bäume.

Das Bild wird aber

eindeutig von neu

gepflanzten Fichten

bestimmt. Eine Doppel-reihe, teilweise auch eine Dreierreihe umzieht den Friedhof.

Er wird in seiner ganzen Länge von einer breiten, von Fichten gesäumten Allee durchzogen. Von der seitwärts stehenden Feierhalle führt ebenfalls eine sich kreuzende Fichtenallee zu einem nur mit einer Drahtgittertür geschlossenen Nebeneingang.

Das alles lässt sofort an einen geometrisch eingerichteten Friedhof denken. Und tatsächlich hätte ein solcher dem geringen Umfang der Anlage entsprochen. Aber die geometrische Anordnung war in dieser Zeit nuneinmal verpönt, und darum wurden die übrigen Wege erstens nicht als Alleen und zweitens nicht durch die ganze Länge geführt, sondern durch Vorsprünge optisch kurz gehalten.

Dieser Dahlemer Friedhof gilt als der am stärksten durchgrünte ganz Berlins, was seine Ursache in der geringen Größe hat, welche eine sehr enge Gräberreihung und die ungern gesehene Belegung Kopf an Kopf zur Folge hatte. Die reichlich gepflanzten Hecken sollen diesen Übelstand einigermaßen verbergen. Ein Wort wäre noch zu den Fichten zu sagen: 1931 ist der Expressionismus zwar nicht mehr die wichtigste Kunstströmumg, aber durchaus noch im Schwange. Die Fichte mit ihren Zickzackformen war der Lieblingsbaum der Expressionisten. Er, der allezeit als ernst empfunden wurde, passt auch gut zum Friedhof. Außer diesen Fichten und den Forstkiefern gibt es noch einige Birken und Tannen und ein paar prächtige Lebensbäume, selbstverständlich durchweg neu gepflanzt.

Das wenig umfangreiche Gelände hat die Form eines unregelmäßigen Fünfecks. Die Gartenarchitektur hält sich aber ans Rechteck, muss dafür allerdings an einigen Stellen Dreieckfelder, Viertel- und Halbkreiswege und dergleichen in Kauf nehmen.

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-2-Erhebliche, durch Treppen ausgeglichene Geländeunterschiede, vor allem im Südosten, hätten eine architektonische Anlage nahe gelegt; sie ist aber nur in unbedeutenden Ansätzen zu merken. Eindrucksvoll und gestalterisch überzeugend sind nur die beiden sich kreuzenden, schnurgeraden Fichtenalleen; für die Hauptachse ist noch anzumerken, dass vor den Fichtenreihen, auf den begleitenden Rasen, einige größere Fichten stehen, die schon als Sämlinge gesetzt worden sein müssen; damit kommt ein ganz neues, durchaus wirkungsvolles Gestaltungsmittel ins Spiel.

Quelle: Berlin und seine Bauten, Teil X, Band A

Kapelle und Nebengebäude

Im hinteren Friedhofsteil liegt hinter einem lang-ovalen Vorplatz die Kapelle des Friedhofs, die in den Jahren 1931/32 von

Hein-rich Schweitzer errichtet

wurde. Es handelt sich um einen Mauerwerkbau im Stil des Expressiven Realismus,

dessen Fassaden gelb

verputzt und an den Ecken mit Ortssteinen verkleidet sind. Das Gebäude hat einen T-förmigen Grundriss mit

einer kleinen offenen

Vorhalle, die von einem Pultdach gedeckt ist. Das

eigentliche Kapellendach

stellt ein Satteldach dar, welches auf einer hölzernen Tragekonstruktion liegt und sich an der Rückseite über die niedrigeren Anbauten zieht. Die Seitenfassaden sind von hohen rechteckigen Fenstern aus Kathedralglas mit Bleifassung unterbrochen. Im Dachgiebel befindet sich außerdem ein Glockenträger. Der Innenraum der Kapelle besitzt eine zweifach gebrochene Holzdecke und eine Altarnische mit einem hohen Spitzbogen.

Auch die beiden niedrigen Torbauten sowie einige weitere Nebenbauten wurden 1932 von Schweitzer gebaut. Die Torbauten enthalten jeweils eine Rundbogenarkade, im nördlichen Bau ist zudem ein Blumenladen integriert. Dem südlichen Torbau schliesst sich eine offene Halle sowie das Haus des Friedhofswärters an, in dem die Verwaltungs- und Wohnräume enthalten sind.

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Sintenis, Prof. Renée * 20.03.1888 Waldfriedhof Dahlem II Senatsbeschluss

+ 22.04.1965 Hüttenweg 47 vom

11.07.1967

14195 Berlin und

22.03.1994

Bildhauerin, Grafikerin 001-7, alt 24 B-12

---Renée Sintenis (eigentlich Renate Weiß-Sintenis, 20. 03. 1888 Glatz – 22. 04. 1965)

Renée Sintenis ist vor allem als Tierbildhauerin bekannt geworden. Der „Berliner Bär“ (1932) am Zehlen-dorfer Kleeblatt und das Fohlen auf dem Renée-Sintenis-Platz in Friedenau erinnern an die Künstlerin. Die ländliche Umgebung Neuruppins, wo sie ihre Kindheit verbrachte, beeinflussten sie. Besonders Pfer-dedarstellungen nehmen einen großen Raum in ihrem Werk ein.

1908 – 12 besuchte Sintenis die Kunstgewerbeschule in Berlin.

1915 stellte sie erstmals mit Erfolg einige Arbeiten in der Berliner Sezession aus.

Im Dezember 1917 heiratete sie den an der Kunstgewerbeschule tätigen Lehrer Emil Rudolf Weiß. 1921 unterrichtete sie an der Akademie der Künste bis zu ihrem Ausschluss 1934.

Die schwierige Zeit während des Nationalsozialismus verschärfte sich für sie durch den Tod des Gatten 1942. Der Verlust warf sie in tiefe Depressionen. Hinzu kam, dass 1944 durch Kriegseinwirkung ein Teil ihres Lebenswerkes zerstört wurde.

Nach dem Krieg konnte sie sich jedoch bald wieder im Kunstbetrieb etablieren, nicht zuletzt durch den langjährigen Freund und Kollegen Karl Hofer. 1948 erhielt Renée Sintenis den Kunstpreis der Stadt Ber-lin, 1952 wurde ihr, nach Käthe Kollwitz als zweiter Frau, der „Ordre Pour le mérite“ für Wissenschaften und Künste verliehen. 1955 berief sie die Akademie der Künste als ordentliche Professorin.

Seit 1951 ist ihr kleiner Bär leicht verändert die Auszeichnung bei den Berliner Filmfestspielen. Sämtliche Arbeiten ließ sie in Friedenau bei Noack gießen.

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Ehrengrabstätte des Landes Berlin

Wauer, William * 26.10.1866 Waldfriedhof Dahlem II Senatsbeschluss

+ 10.03.1962 Hüttenweg 47 vom

25.09.1990

14195 Berlin

Regisseur, Autor, Produzent, Bildhauer 002-188, alt 23 B - 142

---William Wauer (26. 10. 1866 Oberwiesenthal – 10. 03. 1962)

Wauer wird als Sohn des ev. Diaconus Carl Ernst

Wauer und seiner Frau Wilhelmine im

Erzgebirge geboren und besucht später

Gymnasien in Dresden und Halle. Seine

künstlerische Begabung wird von einem

Bekannten des Hauses erkannt, der ihn an der Kunstakademie in Dresden anmeldet. Nach Studienaufenthalten in Berlin und München geht er zwei Jahre nach Amerika, anschließend studiert er Philosophie und Kunstgeschichte in Leipzig, wo er auch als Kunstkritiker fungiert. 1896/97 lebt er in Rom. Um 1900 ist William

Wauer Herausgeber der Monatszeitschrift

„Quickborn“, zeitweise auch Leiter der

Werbeabteilung der Lingnerwerke in Dresden, für die er u. a. die „Odol“-Werbung entwickelt. In verschiedenen Kunstverbänden ist er aktives Mitglied.

1905 zieht er nach Berlin und wird von Max Reinhardt an das Deutsche Theater geholt, wo er

erfolgreich die Regieklasse besucht und

anschließend an verschiedenen Theatern Regie führt.

1911/12 wechselt Wauer zum Film, u. a. arbeitet er mit Oskar Messter zusammen. Bekannt werden die Film-Biografien „Wagner“ und „Bismarck“. Am 01. 02. 1916 gründet er seine eigene Filmgesellschaft, die W.W.-Film Wauer & Co. Seine Filme brillieren nicht nur durch Darstellungs- und Erzählkunst, son-dern durch akustisch-optische Feinheiten. Trotzdem behauptet sich seine Firma mit sechs Spielfilmen nur eine Saison auf dem Markt.

1918 beteiligt sich Wauer im März erstmals mit eigenen Skulpturen an der 61. Ausstellung der Sturm-Galerie, im Sommer zusammen mit Chagall und Kandinsky an der 65. Ausstellung.

Fast gleichzeitig inszeniert er vier Albert Bassermann-Filme. Weitere Filme folgen, wobei er mit famosen Innenbildern und großangelegten Massenszenen auffällt. Während der revolutionären Unruhen in Berlin 1918/19 stellt er sich gemeinsam mit Herwath Walden auf die Seite des Proletariats.

Als Bildhauer machen ihn seine expressionistischen Büsten von Herwath Walden 1917 und Albert Bas-sermann 1918 bekannt. Mehrmals wird er zum Mitglied der Ausstellungskommission der Großen Berliner Kunstausstellung berufen, Bronzeporträts von Ebert und Hindenburg sind hier von ihm 1927 zu sehen. 1928 bis 1933 findet er mit seiner Ehefrau Ursula Scherz eine lukrative Nebentätigkeit beim Berliner Rundfunk u. a. mit „Kinderbastelstunden“.

Von den Nationalsozialisten wurden Wauers Werke zur „entarteten Kunst“ gerechnet.

Nach 1945 beteiligt er sich mit Skulpturen, Bildern und Grafiken an verschiedenen Ausstellungen. Als Dozent lehrt er an Volkshochschulen in West-Berlin.

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Hasse, Otto-Eduard * 11.07.1903 Waldfriedhof Dahlem II Senatsbeschluss

+ 12.09.1978 Hüttenweg 47 vom

18.11.1980

14195 Berlin

Schauspieler und Regisseur 002-74, alt 23A-7

---Otto Eduard Hasse (11. 07. 1903 Obersitzko – 12. 09. 1978)

Schon als Kind sammelte Hasse erste Theatererfahrungen an seiner Schule in Kolmar/Posen zusammen mit seiner Mitschülerin Berta Drews. Nach dem Abitur begann Hasse in Berlin ein Jurastudium, das er nach drei Semestern abbrach. Er wechselte zum

Reinhardt-Seminar zur Ausbildung als

Schauspieler, anschließend trat er als solcher in Berlin, Thale, Breslau und München auf.

1939 erhielt er einen Vertrag in Prag für das dort gegründete Deutsche Theater und verwendete von nun ab den Namen O. E. Hasse. Internationalen Erfolg hatte

er in dem Hitchcock-Film „Ich

beichte“/“I Confess“ 1953 an der Seite

von Montgomery Clift und in

Deutschland in der Titelrolle in dem Film „Canaris“ 1954.

Weitere Filme:

• „Kitty und die große Welt“ 1956 neben Romy Schneider,

• „Arsène Lupin, der Millionendieb“ 1957,

• „Der Arzt von Stalingrad“ 1957,

• „Kaiser Wilhelm II.“ 1958 neben Liselotte Pulver,

• „Staatsanwalt von Treskow“ 1958,

• „Frau Warrens Gewerbe“ 1960,

• „Die Ehe des Herrn Mississippi“ 1961,

• „Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse“ 1964 und viele andere.

Hasse war u. a. die markante Stimme von Charles Laughton, Humphrey Bogart, Spencer Tracy und Clark Gable.

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Ehrengrabstätte des Landes Berlin

Juhnke, Harry * 10.06.1929 Waldfriedhof Dahlem II Senatsbeschluss

+ 01.04.2005 Hüttenweg 47 vom

05.04.2005

14195 Berlin

Schauspieler, Entertainer 007-197/178, alt 22A-66

---Harald Juhnke (10. 06. 1929 Berlin – 01. 04. 2005 Rüdersdorf)

Harry Heinz Herbert Juhnke wurde

als Sohn eines Polizeibeamten

geboren, seine Mutter stammte aus ei-ner Bäckerfamilie.

1948 trat er erstmals auf einer Bühne auf. 1950 engagierte ihn das Theater

Neustrelitz, dann die Freie

Volksbühne Berlin. In den 50er und 60er Jahren wurde er in unzähligen Filmen vor allem als jugendlicher Liebhaber bekannt. Seine Stimme schenkte er in der Synchronisation u. a. Marlon Brando, Charles Bronson, Peter Falk und Peter Sellers.

Ab 1977 trat Juhnke verstärkt im Fernsehen auf: Mit Grit Böttcher in der ZDF-Serie „Ein verrücktes Paar“, mit Eddie Arent in der Sketchserie „Harald und Eddie“, später moderierte er die Sendung „Musik ist Trumpf“

mit großem Erfolg. Ab 1985

übernahm er die Rolle des

Trödelhändlers Ottmar Kinkel in „Drei Damen vom Grill“.

1992 hatte er ein Comeback als

Schauspieler in den Filmen

„Schtonk“, „Der Papagei“ und „Der Hauptmann von Köpenick“. 1995 spielte er die Hauptrolle im Film „Der Trinker“ nach Hans Fallada. Darin arbeitete er seine eigene Alko-holerkrankung auf.

Ab Dezember 2001 lebte er im Pflegeheim Katharinenhof in Fredersdorf, östlich von Berlin.

Am 01. 04. 2005 starb Harald Juhnke im Krankenhaus in Rüdersdorf an den Folgen seiner Krankheit. Nach der Trauerfeier in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche wurde er am 09. April beigesetzt.

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Benn, Dr. Gottfried * 02.05.1886 Waldfriedhof Dahlem II Senatsbeschluss

+ 07.07.1956 Hüttenweg 47 vom

02.09.1975

14195 Berlin und

21.08.2001 Arzt, Dichter, ein führender Vertreter des Expressionismus 004-699-700, alt 27 W-31

---Gottfried Benn (02. 05. 1886 Mans-feld/Prignitz – 07 .07. 1956)

Gottfried Benn wurde 1886 im Pfarrhaus in Mansfeld bei Pritzwalk geboren. Wenige Monate danach zog die Familie nach Sellin in die Neumark, heute Polen. Von 1897 bis 1903 besuchte er das Friedrichs-Gymnasium in Frankfurt/Oder, anschließend studierte er Theologie (wie vom Vater gewünscht) und Philologie in Marburg. 1904 wechselte er nach Berlin und nahm an der

Kaiser-Wilhelm-Akademie für das militärärztliche

Bildungswesen ein Medizinstudium auf, das er 1910 beendete.

1910 war Benn als Unterarzt an der Charité angestellt, 1911 im Infanterie-Regiment 64 in Prenzlau. 1912 promovierte er und arbeitete am Krankenhaus Westend. In diesem Jahr erschien mit Erfolg sein erster Gedichtband „Morgue und andere Gedichte“, worin Benn die Erfahrungen des Arztes unmittelbar einfließen ließ.

1912 stirbt seine Mutter qualvoll an Brustkrebs. Sein Vater verbot ihm aus religiösen Gründen die Be-handlung mit schmerzlindernden Mitteln.

Benn lernte 1912 die Dichterin Else Lasker-Schüler kennen. 1914 heiratete er Edith Brosin, geb. Osterloh, die Tochter Nele wurde am 08. September 1915 geboren. Als Militärarzt in Belgien war er dienstlich zur Anwesenheit bei Exekutionen verpflichtet.

1917 ließ sich Benn in Kreuzberg (Belle-Allianz-Straße/heute Mehringdamm Ecke Yorckstraße, seit Juli 2006 Gedenktafel) als Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten nieder. 1922 starb seine Ehefrau, Tochter Nele wuchs nun bei der dänischen Opernsängerin Ellen Overgaar auf.

Am 29. Januar 1932 wurde Gottfried Benn zum Mitglied der Akademie der Künste in Berlin gewählt. Von 1933 bis zum Röhm-Putsch 1934 setzte er sich als NSDAP-Mitglied für den Nationalsozialismus ein, ein Jahr später trat er nach Kontroversen wieder aus.

Als „aristokratische Form der Emigrierung“ bezeichnete er 1935 seinen Eintritt in die Wehrmacht als O-berstabsarzt in der Wehrersatzinspektion in Hannover.

1937 wurde Benn als militärischer Versorgungsarzt nach Berlin versetzt und nahm seine Wohnung in der Bozener Straße 20 in Schöneberg.

1938 heiratete er Herta von Wedemeyer; im selben Jahr wurde er aus der Reichsschrifttumskammer aus-geschlossen und erhielt Schreibverbot. Seine Wehrdienststelle wurde nach Landsberg/Warthe verlegt. 1945 kehrte Benn nach Berlin zurück und arbeitete hier als Arzt weiter. Seine Frau nahm sich am 02. Juli auf der Flucht vor der Roten Armee das Leben.

Im Dezember 1946 heiratete er die Zahnärztin Ilse Kaul.

1948 erschien der Band „Statische Gedichte“, es begann für ihn ein rasanter literarischer Aufstieg, mit dem Höhepunkt der Verleihung des Büchner-Preises 1951.

Nur wenige Wochen nach seinem 70. Geburtstag starb Gottfried Benn an Knochenkrebs. Er gilt als der bedeutendste deutsche Dichter des 20. Jahrhunderts.

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Noack, Hermann * 28.03.1895 Waldfriedhof Dahlem II

+ 23.05.1958 Hüttenweg 47

14195 Berlin

Kunst- und Bronzegießer 004-552, alt 31B-108

---Hermann Noack (28.03.1895 Friedrichshagen – 23.05.1958)

1897 gründete Hermann Noack (sen. ) eine eigene Gießerei. Gegenüber den Traditionsbetrieben Gladen-beck und Lauchhammer verfolgte Noack ein neues Konzept: Man setzte auf die Zusammenarbeit mit Künstlern. Gemeinsam wurde experimentiert zuerst in der Kellerwerkstatt in Wilmersdorf und seit 1899 in der Varziner Straße in Friedenau, wo sich die Werkstätten noch heute befinden. Auf ca. 200 qm entstehen hier in vierter Generation große und kleine Kunstwerke aus Metall, goldene Stadtschlüssel, Bronzefigu-ren, Plaketten und Medaillen.

Über 20 Künstler und Handwerker gehen hier ihrer Arbeit nach. Auf zwei Etagen wird gehämmert, gefeu-ert, geklopft und gesägt.

Schon vor dem 1. Weltkrieg wurde die Bildgießerei Hermann Noack zur bedeutendsten Bronzegießerei in Deutschland, was sie bis heute ist. Über die Jahrzehnte hinweg gelang es ihr immer wieder , die bedeuten-deren Bildhauer an sich zu ziehen. So ist die Gießerei engstens mit der Geschichte der deutschen Skulptur im 20. Jahrhundert (u. a. Ernst Barlach und Käthe Kollwitz) und seit den 50er Jahren – vor allem durch Henry Moore – auch mit der europäischen Bildhauereigeschichte verbunden. Die Quadriga vom Branden-burger Tor wurde hier in den Kupfer gegossen.

Seit 1951 entstehen in der Werkstatt auch die begehrten Berlinale-Bären, die Auszeichnung der Berliner Filmfestspiele.

Das Bronzerelief auf dem Grabstein ist eine Arbeit von Ernst Barlach (drei Szenen „Leben und Tod“ 1916/17).

Quelle: Georg Kolbe Museum: Bildgießerei Noack – 100 Jahre, Jubiläumsausstellung 15. 06. – 31. 08. 1997 über Wolfgang Holtz

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Tessenow, Prof. Heinrich * 07.04.1876 Waldfriedhof Dahlem II Senatsbeschluß + 01.11.1950 Hüttenweg 47 vom 25.09.1990 14195 Berlin Architekt 006-218, alt 28 - 173

---Heinrich Tessenow, Prof.

(07. 04. 1876 Rostock – 01. 11. 1950)

Nach Mittelschulbildung, handwerklicher Lehre und

Ausbildung im väterlichen Zimmereibauunternehmen sowie Besuch der Baugewerbeschule, studierte Tessenow an der TH München. 1909 – 1911 war er Assistent der TH Dresden und lehrte dann an den Werkstätten Hellerau bei Dresden, der Trierer Gewerbeschule und der Wiener Kunstgewerbeschule. 1920 wurde er als Professor an die Dresdener Kunstakademie berufen und wirkte bis zu seiner Emeritierung 1941 an der TH Charlottenburg.

Tessenows praktisches und theoretisches Engagement galt einer Reform des Wohnhausbaus.

Der Stil seiner sachlichen und auf Schmuck verzichtenden Reihen- und Einfamilienhäuser gewann bedeutenden Einfluss auf die Siedlungsbauten in Deutschland vor dem 1. Welt-krieg.

Die Tessenowstraße in Rheinickendorf führt von der Ora-nienburger Straße zur Roedernallee.

Werkauswahl:

• Wohnbauten Am Fischtal 58-60 der Siedlung Fischtalgrund 1928-29 in Zehlendorf,

• Stadtbad Mitte 1929-30 (zusammen mit C. Jelkmann), Gartenstraße 5-6,

• Wohnhaus Tessenow 1930, Zehlendorf, Sophie-Charlotte-Straße 7,

• Umbau der Neuen Wache zum Ehrenmal für die Gefallenen des 1. Weltkriegs,

• 1930-31, Mitte, Unter den Linden, (so nicht mehr vorhanden),

• Festspielhaus der Gartenstadt Hellerau bei Dresden, 1911-12

Quelle: Ribbe/Schäche: Baumeister – Architekten – Stadtplaner,

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Ehrengrabstätte des Landes Berlin

Schultze, Prof. Dr. Johannes * 13.05.1881 Waldfriedhof Dahlem II Senatsbeschluß

+ 02.10.1976 Hüttenweg 47 vom

18.07.1978

14195 Berlin und

10.08.1999

Historiker, Staatsarchivrat 007-137, alt 28-13

---Johannes Schultze, Prof. (13. 05. 1881 Großkrausnick – 02. 10. 1976)

Johannes Schultze wurde als Sohn eines Landpfarrers in Großkrausnik (Kreis Luckau) geboren. Nach gründlicher Vorbereitung durch den Vater, bezog er 1895 die berühmte Landesschule Pforta. Als er im März 1901 mit 15 Mitschülern das Abitur ablegte, stellte die Klasse einen in der Schulgeschichte einmali-gen Rekord auf: alle Abiturienten wurden von der mündlichen Prüfung aufgrund ihrer vorzüglichen Leis-tungen freigestellt.

In Freiburg studierte er Geschichte und Germanistik. In Berlin setzte er sein Studium fort und wandte sich speziell dem Mittelalter zu.

Johannes Schultze promovierte mit einer Arbeit über Kaiser Lothar III.

1905 begann er als „freiwilliger wissenschaftlicher Hilfsarbeiter“ im Geheimen Staatsarchiv in der Klos-terstraße eine zweijährige Archivarausbildung. Nach der Prüfung wurde er an das Staatsarchiv Koblenz versetzt. Auf weiten Wanderungen – wie er es später auch in der Mark Brandenburg tat – sammelte er eingehende Kenntnisse der Landschaft. Über das Staatsarchiv Magdeburg kam er 1909 an das in Marburg, bis schließlich 1914 die Berufung an das Geheime Staatsarchiv nach Berlin-Dahlem folgte. Zwischen 1924 und 1931 veröffentlichte Schultze die fünf Bände „Briefe Kaiser Wilhelms I.“.

In den Jahren holten Archivbenutzer seinen Rat ein und rühmten seine Hilfsbereitschaft.

Bis 1945 hatte er die Stelle des Provinzialarchivars inne. Die Gegnerschaft zum nationalsozialistischen Regime brachte ihm zum 01.10.1944 die Zwangspensionierung ein.

Nach Kriegsende stellte er sich sofort der Wiederaufbauarbeit zur Verfügung; am 01.04.1950 trat er end-gültig in den Ruhestand.

Außerhalb des Archivarberufes war Schultze ausgesprochen aktiv. Er kümmerte sich vor allem um die Geschichte der Mark Brandenburg, was Vereine, Vorträge und Veröffentlichungen angeht. Die Gründung der Historischen Kommission verdankt 1925 Schultzes Initiative.

1949 erhielt er einen Lehrauftrag an der FU für brandenburgische Landesgeschichte.

Sein krönendes Lebenswerk wurde die Darstellung der „Geschichte der Mark Brandenburg“, in fünf Bän-den von 1960 bis 1969 bei Duncker und Humblodt erschienen.

Quelle: Werner Vogel: Landesgeschichtliche Vereinigung der Mark Brandenburg, Jahrbuch 1971, S. 7 – 11 über Wolfgang Holtz

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14195 Berlin

Maler und Grafiker 006-384/385, alt 26-228

---Max Kaus (11. 03. 1891 – 05. 08. 1977) Max Kaus gehört zur Nachfolgegeneration der Brückemaler. Sein Bildwerk beinhaltet vor allem ausdrucksstarke Landschafts-bilder, Figurenkompositionen und Still-leben.

Er wurde als Sohn des Kirchen- und Paramentenmalers Joseph Kaus und seiner Frau Elmire geb. Möhle in Berlin geboren1894 starb sein Vater. 1908-13 studierte er an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Charlottenburg. Sein erstes Atelier besaß er in Charlottenburg in der späteren Guerickestraße. Von hier aus fertigte er freie Arbeiten als Dekorationsmaler an. Vor 1920 lernte Kaus Maler wie Erich Heckel, Anton Kerschbaumer, Otto Herbig und Karl Schmidt-Rottluff kennen und arbeitet mit ihnen zusammen. Erste Ausstellungen gab es u.a. bei Ferdinand Möller und Paul Cassirer in Berlin.

Motive fand Kaus bei Reisen an die Ostseeküste, wie nach Hiddensee und Vilm.

1923 heiratete er die Porzellanmalerin Gertrud Kant. Ab 1926 war er Lehrer an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Berlin- Charlottenburg, nach weiteren Ausstellungen und Ehrungen wurde er von 1937-39 Lehrer für figürliche Malerei an den Vereinigten Staatsschulen.

1943 gingen nach einem Bombenangriff mit dem Verlust des Ateliers und der Wohnung in der Momm-senstraße in Charlottenburg etwa 200 Gemälde und zahlreiche Grafiken in Flammen auf.

1944 starb seine Frau Gertrud, er heiratete noch im selben Jahr die Kunststudentin Brigitte Kamm, von der er 1948 geschieden wurde.

1945 erfolgte seine Berufung an die Hochschule für Bildende Künste Berlin, dort wurde er stellvertretender Direktor unter Karl Hofer und 1949 Ordentlicher Professor und Leiter der Abteilung Freie Kunst.

1953 heiratete er die Tänzerin Sigrid Reinke, mit der er bis 1958 in der Künstlerkolonie in Wilmersdorf wohnte und dann nach Lichterfelde zog. Unzählige gemeinsame Reisen erbrachten eine große Anzahl von beeindruckenden Bildwerken.

Bis zu seinem Tod lebte Max Kaus in der Potsdamer Straße 44 (Gedenktafel seit 2005). Quelle: Max Kaus: Werke und Dokumente;

Ausstellungen Germanisches Nationalmuseum, 1991 über Wolfgang Holtz

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Ehrengrabstätte des Landes Berlin

La Jana (Henriette Hiebel) * 24.02.1905 Waldfriedhof Dahlem II Senatsbeschluss

+ 13.03.1940 Hüttenweg 47 vom

25.09.1990

14195 Berlin

Schauspielerin, Solotänzerin (Operetten, Revuen) 007-319, alt 22-97

---La Jana (eigentl. Henriette Hiebel 24. 02. 1905 Mauer bei Wien – 13. 03. 1940)

Der eigentliche Beerdigungsplatz der

Künstlerin ist nach 25 Jahren im Jahr 1965 eingeebnet worden, er befindet sich nicht

weit entfernt von der jetzigen

Ehrengrabstätte entfernt. Das heutige Grab wurde zu La Janas 80. Geburtstag einge-richtet.

Henriette Hiebel absolvierte eine

Tanzausbildung am Opernballett in

Frankfurt am Main, nachdem die Familie von Wien umgezogen war.

Als 16jährige tanzte sie am Frankfurter Opernhaus und trat in Kurorten bei Unterhaltungsabenden auf. Ende 1928 spielte sie eine kleine Rolle neben Hans Albers in „Um die Ehre“.

Den Künstlernamen La Jana (die

Blumenreiche) hat sie sich selbst zugelegt. Tänzerisch gelang ihr der Durchbruch in Dresden. Nachdem sie für den erkrankten Star des Abends bei einer Revue einge-sprungen ist, waren das Publikum und die Presse begeistert.

In Berlin wurde sie zum Kassenmagneten. Sie hatte sich vom klassischen Tanzstil abgewandt, sie wollte frei tanzen und wurde Revuestar. In der Glanzzeit der großen Revuen trat La Jana auch in Stockholm (1933) und London (1934/35) auf.

Ab 1936 wirkte sie an mehreren Filmen mit, im Artisten- und Varietéfilm „Truxa“ wurde sie auch als Schauspielerin bekannt. Zum umschwärmten Publikumsliebling avancierte „La Jana“ durch die Filme „Der Tiger von Eschnapur“ und „Das indische Grabmal“. Das Publikum begeisterte sich mehr an ihrer Schönheit und an ihren weiblichen Reizen als an ihrer Schauspielkunst.

Das Jahr 1938 wurde mit dem Tanzfilm „Es leuchten die Sterne“ zum Höhepunkt ihrer Karriere. Im Win-ter 1939/40 verpflichtete sie sich für eine Wehrmachtstournee in mehreren TheaWin-tern Deutschlands aufzu-treten. Sie erkrankte im Februar 1940 an einer Lungenentzündung und starb am 13. März in der Land-hausstraße 33-35 in Wilmersdorf.

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Lüders, Dr. Dr. Marie Elisabeth * 25.06.1878 Waldfriedhof Dahlem II Senatsbeschluss

+ 23.03.1966 Hüttenweg 47 vom

14195 Berlin mit dem Tod Politiker, Alterspräsidentin des Deutschen Bundestages, Ehrenbürgerin, 010 – 429, alt 14-1

Stadträtin für Sozialwesen, Frauenrechtlerin

---Marie Elisabeth Lüders

(25. 06. 1878 - 23. 03. 1966)

Marie Elisabeth Lüders wird als Tochter eines höheren preußischen Regierungsbeamten in Berlin geboren. Nach dem Besuch der Höheren

Töchterschule und einer

Wirtschafts-Frauenschule unterrichtet sie an einem Mäd-chenpensionat in Weimar.

Sie und ihre Freundin Agnes von Harnack immatrikulieren sich 1909 als erste Frauen an der Berliner Universität im Fach Staatswissen-schaften.

1912 promoviert Lüders über das Thema „Die Fortbildung und Ausbildung der im Gewerbe tätigen weiblichen Personen und deren rechtli-che Grundlagen...“

Vor und im 1. Weltkrieg nimmt sie Tätigkeiten wie Wohnungspflegerin beim Magistrat von Charlottenburg, Leiterin der Charlottenburger Kriegsfürsorgestelle, Geschäftsführerin beim Verein für Säuglings- und Mütterfürsorge und andere Arbeiten im Sozialdienst auf.

1919 – 1932 ist Lüders als eine der wenigen

Frauen Abgeordnete der Deutschen

Demokratischen Partei (DDP) im Reichstag. 1922 ist sie maßgeblich an der Gestaltung des „Reichsgesetzes für Jugendwohlfahrt“ beteiligt. Als Delegierte nationaler und internationaler Frauenvereinigungen nimmt sie an den Abrüstungskonferenzen in Genf teil. Lüders kandidiert aus Protest gegen die Zusammenarbeit der DDP mit der NSDAP nahestehenden „Jungdeutschen Orden“ nicht mehr für den Reichstag. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten verliert sie sämtliche Ämter.

1937 muss sie eine kurzzeitige Inhaftierung durch die Gestapo aufgrund des Vorwurfs mutmaßlicher Werkspionage im Rahmen von Fabrikbesichtigungen über sich ergehen lassen.

Während des 2. Weltkrieges sichert sich Lüders ihren Lebensunterhalt durch wissenschaftliche und sozi-alpflegerische Hilfsarbeit, nach der Ausbombung und Evakuierung auch mit Landarbeit und Privatunter-richt.

Seit 1946 lehrt sie in Berlin als Universitätsdozentin und schließt sich der LDPD in der SBZ an. Sie wird 1948 Stadtverordnete für West-Berlin und Stadträtin für Sozialwesen.

Als Berliner Abgeordnete für die FDP im Deutschen Bundestag ist Lüders maßgeblich an der Gleichstel-lung von Mann und Frau im bürgerlichen Recht und im Sozialrecht beteiligt. Der juristische Status deut-scher Frauen, die mit einem Ausländer verheiratet sind, wird in der „Lex Lüders“ geregelt.

Das Bürogebäude für die Abgeordneten des Deutschen Bundestages nennt sich „Marie-Elisabeth-Lüders-Haus“.

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Ehrengrabstätte des Landes Berlin

Schmidt-Rottluff, Karl * 01.12.1884 Waldfriedhof Dahlem II Senatsbeschluss

+ 10.08.1976 Hüttenweg 47 vom

14195 Berlin mit dem Tod

Ehrenbürger, Maler, Grafiker, Mitbegründer der Künstlervereinigung 013-116, alt 10 E-12 "Die Brücke"

---Karl Schmidt-Rottluff (01. 12. 1984 Rottluff bei Chemnitz – 10. 08. 1976) Karl Schmidt wird am 01. Dezember 1884 in Rottluff, heute ein Ortsteil von Chemnitz im Nordwesten der Stadt, als Sohn eines Müllers geboren. Bereits aus der Schulzeit entstammt die Freundschaft mit Erich Heckel.

1905 beginnt Schmidt ein

Architekturstudium an der TH in Dresden, wo er durch Heckel Ernst Ludwig Kirchner und Fritz Bleyl kennen lernt. Gemeinsam mit ihnen gründet er die Künstlervereinigung „Die Brücke“. Als freier Künstler hängt er seinem Namen den seines Geburtsortes an.

1906 besucht er Emil Nolde auf Alsen, der sich kurzzeitig der „Brücke“ anschließt.

Mit den anderen Brücke-Mitgliedern tritt er der „Neuen Secession“ bei und beteiligt sich einige Zeit an deren Ausstellungen.

1911 siedelt Schmidt-Rottluff nach Berlin über, malt aber weiterhin vorwiegend Landschaften und Stilleben. Sein Stil beruht auf dem Zusammenwirken starker, ungebrochener Farben.

Am 27. Mai 1913 wird „Die Brücke“ aufgelöst. Seinen Kriegdienst leistet er von 1915 – 18 bei einem Bataillon in Nordrussland.

1920 legt er seinen Entwurf für den Reichsadler ab.

1923 unternimmt er eine Italienreise mit Georg Kolbe und Richard Scheibe. 1931 wird Schmidt-Rottluff Mitglied der Preußischen Akademie der Künste.

Die Nationalsozialisten diffamieren seine Werke als „entartete Kunst“, er wird aus der Akademie ausge-schlossen, 1936 erteilt man ihm ein Ausstellungsverbot. 1937 werden 608 seiner Werke aus deutschen Museen beschlagnahmt und 25 seiner Arbeiten in der Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt. 1941 wird ihm Malverbot erteilt, so dass er sich bis 1946 nach Rottluff und Chemnitz zurückzieht.

1947 erhält Karl Schmidt-Rottluff eine Professur an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin, er be-ginnt die Arbeit an großformatigen Aquarellen.

1967 wird auf seine Initiative hin und mit dem Überlassen vieler seiner Werke das Brücke-Museum eröff-net. Eine Gedenktafel erinnert an ihn seit 1992 an seinem letzten Wohnhaus in der Zehlendorfer Schütz-allee 136 und eine Straße wurde 1984 zwischen SchützSchütz-allee und Berliner Straße nach ihm benannt.

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Correns, Prof. Carl * 19.09.1864 Waldfriedhof Dahlem II Senatsbeschluß + 14.02.1933 Hüttenweg 47 vom 11.02.1952 14195 Berlin Botaniker 014-147, alt 4.F-22/23

---Carl Correns (19. 09. 1864 München – 14. 02. 1914)

Carl Correns wurde als Sohn eines Kunstmalers geboren. Seine Schulzeit verbrachte er als Waise in St. Gallen. Er studierte Botanik, Chemie und Physik in München und Graz und wurde 1889 in Hamburg mit einer Arbeit über das Wachstum von Algenzellwänden zum Dr. phil. promoviert. Danach war er Assistent im Botanischen Institut der Universität Graz, bei Simon Schwendener an der Berliner Universität und in Leipzig.

1892 wurde er Privatdozent für Botanik an der Universität Tübingen und begann 1894 im selben Botani-schen Garten, wo Leonhart Fuchs schon im 16. Jahrhundert einen Hortus Medicus geschaffen hatte, mit Pflanzenkreuzungen, die zur Wiederentdeckung der Mendelschen Regeln führten. Er gilt als einer der Be-gründer der modernen Vererbungsgesetze.

1902 wurde er Professor in Leipzig, 1909 Ordinarius an der Universität in Münster, wo er den Botani-schen Garten leitete.

Ab 1914 wurde Correns Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Biologie in Berlin-Dahlem, wo er bis zu seinem Tode wirkte.

Der Corrensplatz im Ortsteil Dahlem ist seit 17.09.1938 nach ihm benannt. Quelle: Wikipedia über Wolfgang Holtz

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Sahm, Heinrich * 12.09.1877 Waldfriedhof Dahlem II

+ 03.10.1939 Hüttenweg 47

14195 Berlin

Oberbürgermeister von Berlin 014-32, alt 11 B-6

---Heinrich Sahm (12. 09. 1877 Anklam – 03. 10. 1939 Oslo)

Heinrich Sahm, ein konservativer, integrer, hohes Ansehen genießender Politiker, war das letzte demokratisch gewählte Stadtober-haupt Berlins, bis 1933 Hitlers Nationalsozi-alisten die Weimarer Republik beerdigten. Sahm ließ sich für das diktatorische Regime als willfährige Marionette missbrauchen. Er hat 1933 den Wechsel auf kommunaler Ebe-ne in Berlin mitvollführt und sich wider-standslos zum Instrument der neuen Macht-haber machen lassen.

Heinrich Sahm wurde 1877 in Anklam als Sohn eines Kurzwarenhändlers geboren. Nach dem Abitur studierte er in München, Berlin und Greifswald Rechts- und Staatswissenschaften. Seine berufliche Laufbahn eines höheren Verwaltungsbeamten begann 1905 zunächst in Stettin. Ein Jahr später übernahm er in Magdeburg den Posten eines Stadtrats und wechselte nach sechsjähriger Tätigkeit nach Bochum, wo er stellvertretender Bürgermeister wurde.

1915 schickte ihn das Reichsamt ins eroberte Warschau, sich mit den Fragen der Lebensmittelversorgung zu befassen.

1919 wählte man Sahm zum Oberbürgermeister der vom Deutschen Reich abgetrennten und dem Völker-bund unterstellten Freien Stadt Danzig. Er avancierte zu einer international bekannten Persönlichkeit. Als Parteiloser geriet er Ende der 20er Jahre zwischen die verschiedenen politischen Strömungen und in die Schusslinie rechtsnationaler Kräfte, so dass er schließlich 1930 aus seinem Amt scheiden musste.

Ihm wurde nun das Berliner Oberbürgermeisteramt angetragen, er hatte jedoch Bedenken mit SPD und KPD zusammenzuarbeiten, die in der Stadtverordnetenversammlung die Mehrheit bildeten. So liebäugelte er eher mit dem ebenfalls neu zu besetzenden Posten eines Oberbürgermeisters von Dresden.

Trotz aller Bedenken wurde er am 14. April 1931 zum Oberbürgermeister von Berlin gekürt. Im ersten Wahlgang siegte er gegen die beiden Mitbewerber, den Kommunisten Wilhelm Pieck und den Deutschna-tionalen Wilhelm Steiniger.

Die allgemeine Finanznot engte seinen Handlungsspielraum stark ein: 600 Millionen Reichsmark Schul-den, 450.000 Arbeitslose, 160.000 Fürsorgeempfänger. Berlin hing am Tropf des Reiches. Nach Hitlers Machtübernahme konnten die Nationalsozialisten im März 1933 bei den Wahlen zur Stadtverordnetenver-sammlung 38 Prozent für sich buchen.

NSDAP-Vorsitzender Julius Lippert wurde Sahm im Range eines Staatskommissars „zur Seite gestellt“. Damit war der OB faktisch entmachtet. Demokratisch zustande gekommene Vertretungskörperschaften wurden zerschlagen. Sahm selbst abzulösen, wagten die neuen Herren noch nicht. Er „durfte“ nun die Entlassungsurkunden für all diejenigen unterschreiben, die jetzt „nicht mehr tragbar“ waren. Lipperts Machtbefugnisse wurden immer größer, Sahms Amt gleichzeitig zur Farce, er sah jedoch noch immer keinen Anlass seinen Rücktritt einzureichen. Nach Diffamierungskampagnen gegen ihn und seine Frau, wurde ein Parteiausschlussverfahren eingeleitet, in die er im November 1933 eingetreten ist.

Erst am 09. November 1935 legte Sahm sein Amt nieder, er wurde Gesandter in Oslo, wo er sich bei den norwegischen Behörden großes Ansehen erwarb. Als Ribbentrop Außenminister wurde, fiel Sahm in Un-gnade und wurde beurlaubt.

Eine verschleppte Blinddarmentzündung setzte seinem Leben am 03. Oktober 1939 in Oslo ein Ende. Quelle: Edition Luisenstadt, 1998 über Wolfgang Holtz

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Rosemeyer, Bernhard * 14.10.1909 Waldfriedhof Dahlem II Senatsbeschluss

+ 28.01.1938 Hüttenweg 47 vom

18.07.1978

14195 Berlin und

10.08.1999

Autorennfahrer 015-715, alt 11-4a

---Bernd Rosemeyer (14. 10. 1909 Lingen/Ems – 28. 01. 1938 Reichsautobahn

Frankfurt/Darmstadt)

Bernd Rosemeyer war neben Rudolf Caracciola der berühmteste deutsche Rennfahrer der Vorkriegszeit. Ab 1930 fuhr Rosemeyer Motorradrennen für NSU und DKW. 1935 stieg er dann auf vier Räder um und wurde Werksfahrer der Auto Union. Auf Anhieb war er erfolgreich auf dem

schwer zu beherrschenden

16-Zylinder Heckmotorwagen. Seinen ersten Sieg feierte er am 29. Septem-ber 1935 auf dem Masaryk-Ring bei Brünn.

1936 wurde er mit einer langen Liste von Erfolgen Europameister. Daneben stellte er im Wettbewerb mit Caracci-ola mehrere Geschwindigkeitsrekorde auf. Rosemeyer war es auch, der in dieser Zeit das erste Mal über 400 km/h auf einer normalen „Verkehrs-straße“ erzielte (406,32 km/h am 26. Oktober 1937 bei fliegendem Start).

Bernd Rosemeyer war seit dem 13. Juli 1936 mit der berühmten Fliegerin Elly Beinhorn verheiratet. Am 28. Januar 1938 erreichte Rudolf Caracciola auf der Autobahn Frankfurt-Darmstadt-Heidelberg die Rekordmarke von 432,692 km/h. Kurz danach setzte sich auch Rosemeyer in seinen Wagen, um sich die Bestmarke zurückzuholen. Bei Tempo 440 km/h wurde sein Fahrzeug vom Seitenwind erfasst und verun-glückte um 11.48 Uhr. Er war auf der Stelle tot. Ein Gedenkstein steht an der BAB Frankfurt-Darmstadt bei Kilometer 508, direkt bei einem Parkplatz.

„Das einprägsamste und häufigste Bild des Heldentums liefert in der Mitte der dreißiger Jahre der Auto-rennfahrer. Nach seinem Todessturz steht Bernd Rosemeyer eine Zeitlang fast gleichwertig mit Horst Wessel vor den Augen der Volksphantasie“, schreibt Victor Klemperer 1946 in der Einleitung zu seinem Buch „LTI“ über die Sprache im Dritten Reich. Allerdings war Rosemeyer nicht SA-Mitglied wie Wessel, sondern stattdessen in der SS.

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Ehrengrabstätte des Landes Berlin

Mühsam, Erich * 06.04.1878 Waldfriedhof Dahlem II Senatsbeschluss

+ 10.07.1934 Hüttenweg 47 vom

25.09.1990

14195 Berlin

Dichter, Publizist, Dramatiker 015-479, alt 2 A-144

---Erich Mühsam (06. 04. 1878 – ermordet am 10. 07. 1934)

Erich Mühsam ist als drittes von vier Kindern in Lübeck aufgewachsen. Wegen „sozialistischer Umtriebe“ wurde er 1896 vom Gymnasium

gewiesen. Seinen schulischen Abschluss

erlangte er mit der Obersekunda in Parchim. Sein Vater war als Apotheker Mitglied der Lübecker Bürgerschaft.

Bis 1899 befand sich Erich Mühsam in einer Apothekerlehre, 1900 war er Apothekergehilfe in Lübeck, Blomberg/Lippe und Berlin. Hier wurde er freier Schriftsteller. Rasch ent-wickelte er sich zum markantesten und literarisch fruchtbarsten Vertreter des deutschen Anarchismus. Autoritätshass und tief

empfun-dene Verbundenheit mit den sozial

Benachteiligten traten in den Vordergrund mit betont antibürgerlicher Lebensführung. Seine heftige Kritik am Reformismus und Legalismus in der SPD führte ihn zur pauschalen Ablehnung des Marxismus.

Seine erste selbständige Veröffentlichung „Die Homosexualität. Ein Beitrag zur Sittenge-schichte unserer Zeit“ wurde 1903 bei Singer in Berlin verlegt.

1904 war der Beginn seiner „Wanderjahre“ in die Schweiz und durch Norditalien.

Zusammen mit Hans Heinz Ewers schrieb er „Billys Erdengang. Eine Elephantengeschichte für artige Kinder. Verse von Onkel Franz“, Globus Verlag Berlin. Es folgte der erste Gedichtband „Die Wüste“, Eißelt Verlag Berlin.

1906 wurde er wegen Verbreitung eines Flugblatts in Berlin zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt.

1907 hält sich Mühsam in Paris, München, Italien und der Schweiz auf. 1909 wird er in München sesshaft und gründet die „Gruppe Tat“ zur Propagierung der Ideen des Sozialistischen Bundes. 1910 wird er unter Anklage der Geheimbündelei verhaftet, wieder freigesprochen und begibt sich zu einem Kuraufenthalt in die Schweiz.

Von April 1911 bis Juli 1914 lässt Mühsam monatlich „Kain. Zeitschrift für Menschlichkeit“ erscheinen. Bis 1914 gibt es verschiedenste Veröffentlichungen u. a. ein Schauspiel, einen Gedichtband im Paul Cas-sirer Verlag, auch Presseveröffentlichungen, die zu Kriegsbeginn weniger werden.

1915 nimmt Mühsam Kontakte zu Pazifisten und linken Sozialdemokraten auf, um einen Aktionsbund gegen den Krieg zu gründen. Im September heiratet er Kreszentia Elfinger.

Beginn der Niederschrift „Abrechnung“, einer Abhandlung zur Kriegsschuldfrage und Teilnahme an Hunger- und Protestdemonstrationen in München.

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-2-Im März 1918 wird er zum „Vaterländischen Hilfsdienst“ einberufen, nach Verweigerung gibt es für ihn einen Zwangsaufenthalt in Traunstein. Er wirkt nach der Ausrufung der Revolution in München an ver-schiedenen Aktionen mit, mit dem Ziel der Räterepublik. Im Juli 1919 wird Mühsam bei einem Putsch-versuch der Republikanischen Schutztruppe verhaftet und nach einem Hochverratsprozess zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt. Er schreibt „1919. Dem Andenken Gustav Landauers“, Verlag Leon Hirsch, Ber-lin und verfasst u. a. „Judas. Ein Arbeiterdrama“, das 1921 im Malik Verlag BerBer-lin herauskommt und in Mannheim uraufgeführt wird.

1924 wird er auf Bewährung entlassen, zieht nach Berlin-Charlottenburg und veröffentlich weiter fleißig u. a. durch Herausgabe der Monatszeitschrift „Fanal“.

1927 gibt es einen Umzug in die Hufeisensiedlung nach Berlin-Britz.

1931 nimmt Mühsam verstärkt antifaschistische Agitation als Publizist und Redner auf.

Am 28. Februar 1933 wird er durch die SA verhaftet, er kommt ins Gefängnis Lehrter Straße, dann ins KZ Sonnenburg, nach Plötzensee und Brandenburg und erleidet Folterungen und Misshandlungen.

Am 02. Januar 1934 kommt er im KZ Oranienburg in Haft, in der Nacht zum 10. Juli 1934 wird er dort von SS-Bewachern ermordet. Die Beisetzung fand am 16. Juli statt.

Seit dem 31.05.1951 gibt es im heutigen Ortsteil Friedrichshain eine Mühsamstraße. Quelle: Wolfgang Holtz

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Ehrengrabstätte des Landes Berlin

Hofer, Prof. Karl * 11.10.1878 Waldfriedhof Dahlem II Senatsbeschluss

+ 03.04.1955 Hüttenweg 47 vom

02.09.1975

14195 Berlin und

21.08.2001 Maler, Grafiker, Direktor der Hochschule für Bildende Künste 011/655-656, alt 16 F-2b

---Karl Hofer (11. 10. 1878 ---Karlsruhe – 03. 04. 1955)

Karl Hofer wuchs bei seinen Tanten auf und kam im Alter von zehn Jahren ins Waisenhaus. Schon früh verspürte er den Drang, sich künstlerisch zu äußern. Die Mutter seines Freundes Leopold Ziegler verhalf ihm nach abgeschlossener kaufmännischen Ausbildung zu einem Stipendium an der Kunsthochschule in Karlsruhe. Dort lernte er Rudolf Emil Weiß kennen, mit dem er bis zu dessen Tode und darüber hinaus mit dessen Frau, der Bildhauerin Renée Sintenis, befreundet blieb.

1899 wurde Hofer bei Ludwig Thoma in München als Meisterschüler aufgenommen. Seine malerische Entwicklung wurde ab 1901 durch den Mäzen Theodor Reinhard erleichtert. 1903 beendete Hofer sein Studium in Stuttgart als Meisterschüler Theodor von Kalckreuths und ging anschließend nach Rom, nach-dem er in Wien Mathilde Scheinberger geheiratet hatte.

Nach zwei Indienreisen siedelten die Hofers nach Berlin über, 1914 wurde bei Paul Cassirer eine große Hofer-Ausstellung eröffnet.

Die Kriegswirren brachten ihn drei Jahre in ein Internierungslager. 1920 erhielt er einen Ruf als Lehrbe-auftragter an die Kunsthochschule in Berlin-Charlottenburg.

1928 richtete die Berliner Sezession Hofer eine Einzelausstellung aus. Sommeraufenthalte im Tessin, wo er intensiv malte, wechselten sich mit dem Lehrbetrieb in Berlin ab.

1930 war Hofer einer der ersten Maler, die von den Nationalsozialisten attackiert wurden.

1933 entzogen sie ihm das Lehramt, und vier Jahre später schlossen sie ihn aus der Akademie der Künste aus. Hofer zog sich mehr und mehr zurück und widmete sich seiner Malerei.

Die Galerie Nierendorf wagte es 1938 eine illegale Ausstellung zu Hofers 60. Geburtstag zu veranstalten. Nach dem Krieg gab Hofer mit Nerlinger die Zeitschrift „Bildende Kunst“ heraus. Seinen ganzen Ehrgeiz steckte er in den Wiederaufbau der Hochschule der Künste. Es gelang ihm, Künstler wie Max Kaus, Wal-demar Grzimek, Karl Schmidt-Rottluff, Renée Sintenis und andere wieder an die Hochschule der Künste zu verpflichten.

Durch seine allgemein kritische Haltung attackierten ihn seine Gegner so stark, dass er sein Amt an der Hochschule darüber aufgab. Die Karl-Hofer-Straße in Zehlendorf verläuft zwischen Roonstraße und Fi-scherhüttenstraße.

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Schreiber, Dr. Walther * 10.06.1884 Waldfriedhof Dahlem II Senatsbeschluss

+ 30.06.1958 Hütenweg 47 vom

14195 Berlin mit dem Tod

Politiker, Reg. Bürgermeister 011-650, alt 16F-1a

---Walther Schreiber (10. 06. 1884 Pustleben/Harz – 30. 06. 1958)

Walther Schreiber wurde 1884 in Pustleben im Harz als Sohn eines Gutsbesitzers geboren. Nach dem Stu-dium der Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft in Grenoble, München, Berlin und Halle ließ er sich 1911 als Anwalt in Halle nieder. 1914 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst.

1919 trat Schreiber der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) bei und zog als Abgeord-neter in das preußische Parlament ein, wo er 1924 den Fraktionssitz der DDP übernahm. Von 1925 bis 1933 gehörte er als jüngster Minister, zuständig für den Bereich Handel und Gewerbe, der preußischen Regierung unter Ministerpräsident Otto Braun an.

Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten unterbrach Schreibers politische Karriere; während der NS-Zeit lebte er als Rechtsanwalt in Berlin.

Unmittelbar nach Kriegsende gehörte Schreiber zum Kreis der Gründungsmitglieder der CDU. Am 20. Oktober 1946 wurde er in die Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt. Im Frühjahr 1947 wurde er Berliner CDU-Vorsitzender.

Schreiber entschloss sich, bei der Wahl zum Regierender Bürgermeister am 12. Januar 1951 gegen Ernst Reuter anzutreten, da CDU und FDP über eine regierungsfähige Mehrheit verfügten. Bei der Abstimmung kam es zu einem Patt. Um nicht das Los entscheiden zu lassen, verzichtete er zugunsten Reuters und wur-de als Bürgermeister wur-dessen Stellvertreter.

Nach dem plötzlichen Tod Ernst Reuters am 29. September 1953 brach die Allparteien-Koalition ausein-ander. Schreiber setzte sich am 22. Oktober als Kandidat von CDU und FDP gegen Otto Suhr (SPD) durch.

Bei den Wahlen am 05. Dezember 1954 gelang es der SPD die absolute Mehrheit zurückzugewinnen. Der Walther-Schreiber-Platz im Ortsteil Friedenau trägt seinen Namen seit 05.08.1958.

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Ehrengrabstätte des Landes Berlin

Ermann, Prof Adolf * 31.10.1854 Waldfriedhof Dahlem II Senatsbeschluss

+ 26.06.1937 Hüttenweg 47 vom

11.02.1952

14195 Berlin

Ägyptologe, Direktor d. Ägyptischen Museums 011-575, alt 16 C-29

---Adolf Erman (31. 10 1854 – 26. 06. 1937)

Adolf Erman war der Sohn eines Berliner Physik-Professors. Seine Studien für Ägyptologie nahm er in Leipzig und Berlin auf. Seit 1885 war er Professor an der Berliner Universität und Direktor des Ägypti-schen Museums. Erman trug wesentlich zur Erforschung der altägyptiÄgypti-schen Sprache bei, der Aufbau des Wörterbuchs (1926 – 1931, 5 Bd.) geht auf ihn zurück.

Erman war auch mit seinen Arbeiten zur altägyptischen Religion und Kultur wegweisend für kulturge-schichtliche Forschungen. Er gilt als der Begründer der Ägyptologie als moderne Altertumswissenschaft. Am 03.12 1954 wurde im Ortsteil Steglitz die Uhlandstraße in Ermanstraße umbenannt.

Abbildung

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